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Drachenfestival Schloss Stutensee

In den 90.ger Jahren fanden im Sommer auf dem Gelände rings um das Jagdschloss Stutensee gelegentlich Drachenfestivals statt.
Organisiert wurde diese tolle gesellschaftliche Bereicherung von einem als Koch Angestellten des auf dem Schlossgelände untergebrachten Jugendstiftes.

Die dort untergebrachten schwererziehbaren Jugendlichen wurden zuvor offenbar lange Zeit  streng von den Einheimischen isoliert.
Kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass es zuvor Kontakte zwischen den Jugendlichen und der Bevölkerung rund um das Jagschloss Stutensee gegeben hätte.

Nach dem wenig später ein Wechsel innerhalb der Heimleitung erfolgte, war die vom Angestellten erzielte Verbesserung jedoch auch gleich wieder vorbei.

Der Jugendstift-Angestellte hatte seine Freizeit genutzt, um mit den im Heim untergebrachten Jugendlichen verschiedenartige Drachen anzufertigen und so eine gewisse Freundschaft mit den Jungs aufgebaut.
Eigentlich war es Zufall, dass ich mit dem guten Mann in Kontakt geraten bin.
Wie ich später in Erfahrung gebracht habe, hat sich der neue Heimleiter mit seinen starrsinnigen veralteten Erziehungsmethoden durchgesetzt, so dass der bewundernswerte Drachenbauer im Bösen vom Jugendstift Abschied nehmen musste.

 

 

Leider musste auch ich selbst die traurige Erfahrung machen, dass der neue Heimleiter zwischenmenschlich alles andere als umgänglich agiert.
Als ich an einem schönen Nachmittag in Unkenntnis der Sachlage zusammen mit meinem kleinen Sohn unsere Drachen aufsteigen lassen wollte, kam eine völlig aufgebrachte Person auf uns zu, um uns von der gemähten Wiese zu vertreiben.
Der ungehobelte Mensch stellte sich während lautstarker Diskussion als neuer Heimleiter vor und untersagt es, uns auf dem Privatgelände aufzuhalten.
Die im Jugendstift untergebrachten Kinder und Jugendlichen können einem nur leid tun.

Insgesamt betrachtet war das leider nicht die einzige schlechte Erfahrung die ich mit Anwohnern des Schlossgeländes in Erfahrung bringen musste.
Meine Mutter war als Jugendliche in den Nachkriegsjahren vorübergehend als Küchenpersonal im Jugendstift beschäftigt und hatte von einem der im Heim untergebrachten Jugendlichen eine wunderschöne Bleistiftzeichnung vom Jagdschloss als Abschiedsgeschenk erhalten.

 

 

Während ihrer Beschäftigungszeit fungierte meine Mutter gelegentlich als Kindermädchen für ein kleines Kind der damaligen Verwaltungsangestellten.
Als ich 1962 eingeschult wurde, war das zwischenzeitlich erwachsene Mädchen  bereits als Lehrerin der Pestalozzischule Blankenloch tätig.
 Unser erster Schulausflug ging fußläufig zum Jagdschloss Stutensee, das wir ABC Schützen vor Ort abzeichnen und als Hausaufgabe vervollständigen mussten.

Vom Ausflug nach Hause zurückgekehrt, gab mir meine Mutter die von ihr gut verwahrte Bleistiftzeichnung als Vorlage für meine Hausaufgabe.
Am nächsten Tag gab ich mein selbst erstelltes Bild vom Jagschloss bei der Klassenlehrerin ab und musste entsetzt zur Kenntnis nehmen, dass diese den Vorwurf erhob, ich hätte das Bild nicht selbst angefertigt. 
Mit einem blauen Brief in der Tasche musste ich tief betrübt nach Hause eilen.

Meine Mutter musste wegen meines angeblichen Betrug Versuchs vorreiten.
Am nächsten Tag entschuldigte sich die Klassenlehrerin beschämt bei mir.

Nachdem die Lehrerin ihr früheres Kindermädchen erkannt hatte, wurde die für mich sehr unangenehme Situation alsbald aufgeklärt.
Der Vorwurf, dass ich das Bild nicht selbst gemalt haben kann, wurde bereinigt.
Leicht hatte ich es mit der Klassenlehrerin ohnehin nicht.
Zu Beginn der Einschulung hielt ich alle Schreib-/Malgeräte mit der linken Hand.
Sobald die Lehrerin sah, dass ich wieder einmal die linke Hand benutze, musste ich diese ausgestreckt hinhalten um mir mit einem Holzlineal eins über braten zu lassen.
Wir schreiben rechts, lautete die lautstarke Ansage der Lehrerin, während sie kräftig zuschlug.
Rechts schreiben, fiel mir jedoch sehr schwer, meine Handschrift war nicht lesbar.

Alsbald hagelte es diesbezüglich erneut blaue Briefe. Im Elternhaus erging es mir anhand der blauen Briefe nicht viel besser.
Unter starkem Zwang und väterlichen Hieben musste ich üben, üben, üben, usw.

Dass ich mit dem Daumen meiner rechten Hand angeborene Probleme hatte, war bis dahin nicht aufgefallen.
Während einem ausgelassenen Kinderspiel im Hof blieb ich einige Zeit später mit dem Daumen am Fallrohr der Regenrinne hängen, wodurch sich die angeborene Sehnenverklebung am Daumen unter großem Schmerz löste.
Späte Selbstdiagnose, nachdem auch bei meinem Sohn im Säuglingsalter vom Kinderarzt ein schnellender Daumen festgestellt wurde.
Von da an besserte sich nicht nur meine Handschrift geringfügig, sondern es fiel mir immer leichter meine rechte Hand normgerecht zu gebrauchen.
Während meiner beruflichen Tätigkeiten brachte mir die im frühkindlichen Alter gegebene Beeinträchtigung jedoch große Vorteile.

Die vor der Einschulung erworbene linkshändige Geschicklichkeit blieb mir erhalten.
Es gibt nicht viele Menschen die rechts- und linkshändig gleichermaßen geschickt arbeiten können.