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mein erster Drachen

Im Jahre 1958, wurde meine anfängliche Vorliebe Papierdrachen selbst anzufertigen durch Spielkameraden aus der Nachbarschaft erweckt.
Allerdings war es damals nicht einfach an geeignetes Material zu gelangen.
Besonders in ländlich gelegenen Gebieten gab es kaum Möglichkeiten buntes Drachenpapier zu erwerben.
In den damaligen Tante Emmaläden gab es keinerlei Angebote.
Möglichkeiten in die nächstgelegene Stadt zu gelangen waren selten.
Omnibus- oder Eisenbahnfahrten waren schlichtweg zu teuer und ohne Begleitung erwachsener Personen nicht möglich.
Schnur und Klebematerial (Mehl und Wasser) gab es nur knapp bemessen von der lieben Großmutter.
Diese musste dazu heimlich auf ihren knappen Mehlvorrat und auf Großvaters wertvollen Werkstattbedarf zugreifen.
Um an geeignete Holzleisten zu gelangen verblieb nur ein Weg:
durch Vortragen von Kinderliedern mussten die Schreiner- oder Zimmermannsmeister im Ort dazu verleitet werden, uns entsprechende Holzabfälle zu spendieren.
Unter Verwendung alter Bildzeitungsblätter, Mehlpappe und Tabakschnur war es dann tatsächlich möglich flugfähige Einschnurdrachen herzustellen.

 In den Folgejahren wurde es dann wesentlich besser. Zeitgleich mit dem sich anbahnenden deutschen Wirtschaftswunder wurden anfänglich Mischwarenläden und wenig später ein erster Discounter im Ort eröffnet.
Ab 1962 konnte erstmals halbwegs erschwingliches buntes Drachenpapier und auch Drachenschnur käuflich im Ort erworben werden.
Als mir meine Taufpatin zum Geburtstag einen fertigen Drachen mit bedruckter Kunststofffolie vermachte, konnte ich es nicht abwarten bis endlich mal wieder die Sonne zu sehen war. Anfang September gab es damals häufig Regenperioden, ehe sich der alljährlich aufkommende Altweibersommer einstellte. Kartoffelferien, die im Oktober lagen, waren dann optimal um unsere selbst gebauten Drachen aufsteigen zu lassen.

TV-Serie Fury

Nachdem ab ca. 1963 in immer mehr Haushalten Fernsehapparate aufkamen, zuvor war es lediglich Sonntag nachmittags möglich in der Bahnhofswirtschaft Kinderstunde der ARD wahrzunehmen, brach das Kameradschaftsverhältnis zu den Nachbarkindern immer weiter auseinander.
Seinerzeit waren Fury, Lassie und Flipper willkommener preiswerter Kinoersatz.
Wer eine Flasche Libella oder Cola bestellte konnte kostenlos zuschauen.
Mit zunehmenden Alter erwachten dann auch andere Interessen, so dass meine Drachenliebe vorerst aussetzte.

TV-Serie Lassie

Als unser Sohn das Schulalter erreichte kam es zum Wiederaufleben meiner damaligen Vorliebe.
Allerdings begnügte ich mich  nicht mehr damit ausschließlich Kinderdrachen anzufertigen.
Einschnurdrachen sind nach wie vor beliebt, und gibt es dazu auch noch in unzähligen Ausführungen.
Exotische Drachenmodelle wie  Hexagon, Cody oder gar die PLT-Box faszinierten mich jedoch mehr.
Schließlich haben diese bessere Flugeigenschaften und lassen es auch zu, größere Aufbauten bzw. Ausschmückungen in luftige Höhen zu bringen.
Lenkdrachen sind ein besonderes Thema, über die man manch lustige Anekdote zum Besten geben kann.

Hexagon, Cody, PLT-Box

An einem schönen Sommertag baute ich gerade meine PLT-Box auf einer Wiese vor dem Jagdschloss Stutensee auf, als ein Rentnerehepaar vorbeikam.
Der Ehemann äußerte sich brüskiert darüber, dass Kinder nun schon motorisierte Drachen aufsteigen lassen.
Der gute Mann war durch die Fluggeräusche des Lenkdrachens meines Sohnes irritiert und beschwerte sich über die lauten Motorgeräusche.
Es war nicht einfach den guten Mann davon zu überzeugen, dass die wahrzunehmenden Knattergeräusche nicht von einem Motor verursacht werden, sondern durch die Schleppkannten der Lenkdrachenflügel erzeugt werden.
Erst nachdem mein Sohn den Lenkdrachen gezielt in unserer Nähe zu Boden gebracht hatte, konnte der gute Mann sich selbst davon überzeugen, dass es tatsächlich keinen Motor am Lenkdrachen gab.